Bio-Qualität in Restaurants und in der Außer-Haus-Verpflegung

Bio-Qualität in Restaurants und in der Außer-Haus-Verpflegung

Wer nachhaltig einkauft und zu Produkten aus dem Bio-Markt greift, schätzt die hohe Qualität gesunder Lebensmittel auch beim Restaurant-Besuch oder beim Take-away-Angebot. In Bio-Hotels und Bio-Restaurants stammen Speisen und Getränke aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft. Die Gastronomen wie auch die landwirtschaftlichen Bio-Betriebe werden regelmäßig durch unabhängige Bio-Kontrollstellen geprüft.

Darüber hinaus gibt es immer mehr Gastronomiebetriebe, Groß- und Gemeinschaftsküchen sowie Lieferservice-Betriebe, die Bio-Gerichte anbieten und mit dem Kauf von regionalen und saisonalen Produkten landwirtschaftliche Betriebe aus der Umgebung unterstützen. Eine Übersicht über Anbieter im Bundesland gibt der Bio-Einkaufsführer Rheinland-Pfalz.

Bio-Lebensmittel – gesund und gut für die Umwelt

In der Außer-Haus-Verpflegung ist Bio weniger eine Frage von Ideologie – vielmehr sprechen Qualitätsgründe sowie der nachhaltige Umgang mit Ressourcen oder die Förderung von Biodiversität für die Auswahl von hochwertigen Lebensmitteln. Biologisch angebaute und hergestellte Lebensmittel stehen mit der Art der Landbewirtschaftung für reine Luft, sauberes Grundwasser sowie fruchtbare, gesunde Böden.

Die Entscheidung für Bio-Fleisch und Bio-Wurstwaren stellt sicher, dass beispielsweise kein Gen-Soja als Futtermittel um die halbe Welt transportiert wurde. Die Richtlinien zum Tierwohl sowie die Haltungsbedingungen fallen zum Schutz der Tiere aus. Faire Preise sichern landwirtschaftlichen Betrieben die Existenz und helfen die Qualität zu halten oder sogar zu steigern.

Auch vegetarische und vegane Gerichte spielen eine Rolle für Umwelt, Gesundheit und Klima. Biologische und saisonale Produkte aus der Region bzw. aus fairem Handel kommen ohne lange Transportwege aus, der „Kühlaufwand“ ist geringer.

Zutaten mit Bio-Siegel - Mehrwert für Gast und Kochhandwerker

Seit 1. März 2020 betreiben Karsten Bessai und sein Team den Burghof Stauf in Eisenberg mit Hotel und Restaurant. In dem idyllischen Gästehaus im Pfälzerwald bringt der erfahrene Bio-Koch eine kreative und regionale Küche auf den Tisch. Hochwertige Bio-Produkte, Spezialitäten und typische Produkte aus der Region stehen im Zentrum des kulinarischen Schaffens.

„Bio-Lebensmittel aus der Region sind für mich die Königsklasse. Maximale Transparenz, minimale Lieferwege, Sortenvielfalt und Geschmack sowie eine bunte und artenreiche Landschaft vor der Haustür sind klare Mehrwerte. Hierzu braucht es nicht nur Lippenbekenntnisse und Greening-Prozente in der Agrarwirtschaft, sondern Aktion auf der Verbraucherseite. Mit meinem Einkauf unterstütze ich die lokalen Betriebe und profitiere nebst den guten Lebensmitteln von den Geschichten und Hintergründen, die unsere Gäste spannend finden und ihnen auch für den eigenen Konsum Denkanstöße mitgeben. Die Logistik ist oft die Herausforderung, aber wer statt dem anonymen Kühllaster einen Menschen mit Visionen, Werten, Ideen und Leidenschaft als Gegenüber schätzt, geht gerne zwei Schritte mehr und pflegt eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe. Hierzu gehört für mich auch, dass ich nicht nach dem Schreiben der Speisekarte sage: „Ich brauche…“, sondern vielmehr erst frage: „Was hast Du?“ … und mich dann an die Speisekarte setze. So bleibt man kreativ, bunt, ist zur Innovation gezwungen und somit ständig im Wandel“, begründet der Burghof-Betreiber und Chefkoch Karsten Bessai seine außergewöhnlichen und kreativen Speisen mit Lebensmitteln aus ökologischem Anbau.

Als Berater für Bio-Gastronomen hat Karsten Bessai darüber hinaus schon jahrzehntelange Erfahrung im Einkauf von Bio-Lebensmitteln, mit dem Netzwerken mit Partnerinnen und Partnern aus dem Öko-Anbau, aber auch mit dem Umstellen eines Gastro-Betriebes auf Bio:

„Die Erfolgsfaktoren sind nebst der klaren strategischen Ausrichtung des Unternehmens auf das Thema die Handwerker in der Küche und die Multiplikatoren am Gast. Wenn hier an einer Stelle keine Motivation, Freude oder zu wenig Know-how ist, scheitern die Projekte oftmals. Meistens an den höheren Kosten, die weder entsprechend kompensiert noch handwerklich aufgefangen werden oder an der fehlenden Wahrnehmung seitens des Gastes für die Mehrwerte des Konzeptes und auch für den anteiligen Mehrpreis. Eine gelungene Mischung aus „einfach mal durchstarten“, „strategisch vordenken und planen“ sowie guter Kommunikation nach Innen und Außen ist erfolgsversprechend. Besonders wichtig ist hier auch der Austausch unter Kollegen und innerhalb der Wertschöpfungskette über mögliche Synergien und  Formen der Zusammenarbeit“, so Karsten Bessai. Für ihn persönlich sind entscheidende Merkmale:

Bio-Lebensmittel in Gastronomie und Hotellerie

  • Einkauf von Produkten von Bauern und Erzeugern der Region sowie aus handwerklicher Herstellung
  • sorgfältiger Einkauf und bewusster Einsatz von gutem Fleisch
  • Saisonalität in der Küche
  • hochwertige Bio-Lebensmittel aus dem Naturkostgroßhandel
  • Abfall vermeiden: möglichst keine Kleingebinde und Einweggeschirr
  • Fairtrade-Produkte

Neben Bio auf der Speisekarte spiegelt sich Nachhaltigkeit bei Gastronomen wie Karsten Bessai über die Küche hinaus oft im gesamten Betrieb wider:

  • 100% Ökostrom
  • ökozertifizierte und in Maßen eingesetzte Putz- und Waschmittel
  • mit Naturmaterialien ausgestattete Zimmer
  • möglichst papierlose Buchhaltung und Korrespondenz
  • Unterstützung bei Anreisen mit der Bahn durch Transfer-Angebote

Bio-Restaurants und Bio-Hotels – weitere Beispiele in Rheinland-Pfalz

Seminar- und Gästehaus Burghof Stauf
www.burghof-stauf.de

Menschels Vitalresort – Bio-Hotel für Heilfasten und mehr
www.menschel.com/heilfasten-fasten.html

Bio-Gaststätte Bärenbrunnerhof
www.baerenbrunnerhof.de

Bio-Gastronomie und Restaurant Hofgut Ruppertsberg
dashofgut.com


Vom Korn zum Brot – Wertschöpfung bei Bio aus RLP

Deutsche Brotkultur steht für Vielfalt und Tradition

Klassisches Weizenmischbrot, Bauernbrot oder „exotisches“ Aronia-Walnuss-Brot: Die deutsche Brotvielfalt ist mit rund 3.200 Brotspezialitäten weltweit einzigartig. Seit 2014 ist die Deutsche Brotkultur durch die nationale UNESCO-Kommission als immaterielles UNESCO-Kulturerbes anerkannt. Brot ist demnach hierzulande mehr als ein Grundnahrungsmittel: Brot ist ein Kulturgut.

Die Geschichte des Brotes

Die ersten Backwerke waren wohl ein auf heißem Stein getrockneter Körnerbrei. Seither ist viel passiert. Umwelteinflüsse, neue Erkenntnisse und kreative Einfälle entwickeln das Bäckerhandwerk laufend weiter. Gleichzeitig bleiben alte Traditionen bestehen oder werden neu entdeckt. Urgetreidearten wie Einkorn und Emmer bereichern heute erneut die potenzielle Zutatenliste deutscher Brotsorten. Auch die regionale Struktur der Landwirtschaft prägt das Brotangebot: Nüsse, Früchte und Gewürze variieren je nach Angebot und Sortenvielfalt der Region.

Brot in Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz muss sich in Sachen Eigenkreationen nicht verstecken. Hier sind Rheinisches Schwarzbrot, Eifeler Brot und Westerwälder Landbrot bekannte Brotspezialitäten. Sie sind im deutschen Brotregister eingetragen, das die deutsche Brotlandschaft abbildet und festhält.

Das Brotregister ist damit ein wichtiges Instrument, das Kulturgut “Brot” zu wahren und die Leistung deutscher Bäcker:innen gebührend zu würdigen. Die Liste wird laufend ergänzt, aber natürlich wird die Rezeptur jeder Eintragung gründlich überprüft.

Die Kunst des Backhandwerks

Es ist die große Auswahl und Diversität, durch die sich das traditionelle Backhandwerk von der industriellen Brotproduktion absetzt. Insbesondere Bio-Bäckereien versuchen Wege abseits des Mainstreams und nicht selten “back to the roots” zu gehen. Aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen in zeitintensiver Handwerksarbeit Brot und Brötchen zu machen, das erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Interessanterweise sind es nur drei traditionellen Grundzutaten, auf denen die gesamte Brotwelt basiert: Mehl, Wasser und Salz – mehr braucht es nicht. Entscheidend sind die Qualität der Zutaten und das Know-how des Backenden.

In der Bio-Bäckerei

Bio-Bäckereien setzen bei ihren Backwaren auf möglichst naturbelassene Zutaten, weshalb hier Vollkornprodukte hoch im Kurs stehen. Sie sind durch ihren hohen Vitamingehalt sehr gesund und reich an Mineral- und Ballaststoffen, da das Korn vor dem Mahlen nicht geschält, sondern als Ganzes vermahlen wird. Die Zutaten für Bio-Brote und -Brötchen stammen zu mindestens 95 Prozent aus kontrolliert ökologischem Anbau, der ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Düngemittel auskommt. Ermöglicht wird das durch Zwischenfrüchte wie Ackerbohnen oder Klee, die die Nährstoffe aus der Luft binden und sie im Boden speichern. Durch den Verzicht der Düngung werden weniger Nährstoffe ausgewaschen, die ins Grund- und folglich Trinkwasser gelangen könnten.
Viele Bio-Bäckereien pflegen eine Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette und legen schon beim Getreideanbau Wert auf Arten- und Sortenvielfalt, hochwertige Körner und Regionalität. Das fördert die Biodiversität und erleichtert die Transparenz gegenüber Verbraucher:innen.

Das biologische Back-Handwerk muss mit einem Bruchteil der für die konventionelle Produktion zugelassenen Hilfsstoffe auskommen, deshalb braucht es für Teig, Gärprozesse und die Eigenarten der vielfältigen Zutaten jede Menge Fingerspitzengefühl.

Beim Backen wird auf natürliche Zutaten gesetzt. Honig und Zuckerrübensirup statt raffiniertem Zucker und Sauerteig als Triebmittel verleihen dem Brot seine krachende Kruste und feinen Geschmack. Je nach gewünschter Brotsorte muss eine Vielzahl an Entscheidungen getroffen werden, um zum perfekten Teig-Ergebnis zu kommen. Das gilt auch noch während des Produktionsprozesses: Durch den Verzicht auf handelsübliche Backmittel variieren die Eigenschaften der Zutaten bei jeder Ernte. Das nicht genormte Bio-Mehl erfordert es, die Konsistenz und Klebestruktur des Teiges mit den Sinnen zu erfassen und darauf entsprechend zu reagieren. Jeder Teig ist eine neue Aufgabe.

Weiterführende Informationen rund um das Brothandwerk und Bio-Brot:

Der Mythos vom deutschen Brot // planet-e
https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-der-mythos-vom-deutschen-brot-100.html

Wie man ein echt gutes Brot backt // SWR Handwerkskunst
https://www.youtube.com/watch?v=KmMySW-6Q-o

Essgeschichten: Krosse Kruste – krasses Brot // SWR Landesschau RLP
https://www.youtube.com/watch?v=5mUwz6BdtXo

Interview mit dem Bio-Bäcker // Bioland
https://www.bioland.de/bioland-blog/interview-baeckerhandwerk-braucht-fingerspitzengefuehl-statt-muskelkraft

Die Wertschöpfungskette einer Bio-Bäckerei // Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
https://www.oekolandbau.de/fileadmin/redaktion/bestellformular/pdf/067505.pdf


Wie gelingt die nachhaltige Verpflegung von Kindern und Schüler:innen?

Wie gelingt die nachhaltige Verpflegung von Kindern und Schüler:innen?

Täglich kommen deutschlandweit in Kitas und Schulen Millionen von Mittagessen auf den Tisch. Entsprechend lassen sich mit der richtigen Auswahl an Lebensmitteln eine gesunde Verpflegung junger Menschen gestalten sowie viele Emissionen reduzieren. In Rheinland-Pfalz sollen die Grundsätze der nachhaltigen Ernährung auf das Speisenangebot in Kita und Schule umgesetzt werden.

Foto: Louis Hansel // Unsplash

Mehr Bio in Schulen und Kitas

Die Nachhaltigkeit der Kita- und Schulverpflegung ist Teil des ersten Öko-Aktionsplans und nimmt so einen hohen Stellenwert ein. Mit dem Öko-Aktionsplan verfolgt Rheinland-Pfalz das Ziel, den Ökologischen Landbau zu stärken und den Flächenanteil von derzeit rund 10 Prozent auf 20 Prozent zu erhöhen.

Mittagessen in Schule und Kita – ein paar Zahlen vorab:

  • Lebensmittel – inkl. landwirtschaftlicher Produktion, Verarbeitungsprozessen und Transport – tragen rund 20 Prozent zu den globalen Treibhausgas-Emissionen Hinzu kommt der Bedarf an Ressourcen wie z.B. Boden oder Wasser.
  • Laut Berechnungen des Forschungsprojekts „KEEKS – Klima- und Energieeffiziente Küche in Schulen“ verursacht jede ausgegebene Schulmahlzeit durchschnittlich 1.250 g CO2.
  • In Kitas und Schulen kommen deutschlandweit täglich um die 4,7 Millionen Mittagessen auf den Tisch – teils in den Einrichtungen vor Ort zubereitet, teils angeliefert.

Wie kann in Kitas und Schulen eine nachhaltige Ernährung gelingen?

Laut dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten (MUEEF) in Rheinland-Pfalz führen hier sieben Schritte zu mehr Nachhaltigkeit:

  1. pflanzliche Vielfalt genießen, tierische Nahrungsmittel reduzieren
  2. Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft
  3. Wissen um Herkunft dank regionaler und saisonaler Lebensmittel
  4. frisch und gesund gekocht, gering verarbeitet
  5. Fairness: faire Bedingungen, fairer Handel, faire Preise
  6. Lebensmittelabfälle und -verschwendung vermeiden
  7. klimafreundliches Haushalten, Energie sparen

Die Vorteile von Lebensmittel aus ökologischem Anbau

Neben pflanzlichen, regionalen sowie saisonalen Erzeugnissen, gering verarbeiteten und fair gehandelten Lebensmitteln gelingt Nachhaltigkeit insbesondere auch mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln.

Aufgrund des Mehrwerts der ökologischen Landwirtschaft gehören Bio-Lebensmittel zur nachhaltigen Gestaltung der Kita- und Schulverpflegung:

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leichtlösliche Stickstoffdünger
  • Schutz von Grundwasser und Artenvielfalt
  • Bei der Verarbeitung ist nur eine geringe Anzahl unverzichtbarer Zusatz- und Konservierungsstoffe erlaubt.
  • Die Verwendung genetisch veränderter Organismen sowie die Strahlenbehandlung von Lebensmitteln sind verboten.
  • Weniger Pflanzenschutz-Rückstände
  • Höhere Tierschutzstandards

Rheinland-Pfalz strebt an, den Anteil des Einsatzes ökologischer Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung auszubauen. Bio-Lebensmittel lassen sich am EU-Bio-Logo bzw. dem deutschen Bio-Siegel und den Siegeln der Bio-Anbauverbände erkennen.

Die Qualität von Lebensmitteln zeigt sich in Form von Nährstoffen oder Verarbeitungsmerkmalen. Auch Bedingungen des Pflanzenanbaus, der Haltung und Fütterung der Tiere wie auch ethische Faktoren und Auswirkungen auf die Umwelt spielen eine Rolle. Ähnlich wie beim Einkauf für den privaten Haushalt, ist die Entscheidung für bestimmte Erzeugnisse auch eine Entscheidung für bestimmte Produktionsbedingungen:

  • Kauf von Weidemilch
  • die Auswahl von Bio-Produkten oder Produkten aus artgerechter Haltung
  • die Unterstützung ethischer Tierzuchtprojekte – z.B. Kauf von Eiern und Geflügel von Bruder-Hahn-Projekten
  • den Bezug von Fisch aus bestandsschonender Fischerei oder ökologischen Aquakulturen – z.B. MSC- oder ASC-zertifiziert

Beim Einkauf in Rheinland-Pfalz bieten folgende Zeichen und Siegel Orientierung:

www.soonahe.de

www.regionalfenster.de

www.ebbes-von-hei.de

www.lwk-rlp.de

www.einkaufen-auf-dem-bauernhof.com

www.regionalmarke-eifel.de

Foto: Patrick Fore // Unsplash

Weitere Informationen

Hintergrundinformationen zur klimaschonenden Schulküche und Einsparpotentialen bietet das KEEKS-Projekt: www.keeks-projekt.de

„Nachhaltige Ernährung – was unser Essen mit Klimaschutz und Welternährung zu tun hat“: https://mueef.rlp.de/fileadmin/mulewf/Publikationen/Nachhaltige_Ernaehrung_RLP_16.09.2015.pdf

„Der Nachhaltige Warenkorb“ – Website der Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gibt Tipps für umweltbewussten und sozialen Konsum: https://www.nachhaltiger-warenkorb.de

Vorgaben und Bedeutung der einzelnen Siegel finden sich auf den Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: https://www.siegelklarheit.de/home oder des Bundesverbands „Die Verbraucher Initiative e.V.“: https://label-online.de/produktlabels/

„Bio-Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen“ – Heft der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit Praxisbeispielen und Hintergrundinformationen: https://www.oekolandbau.de/service/informationsmaterialien-und-bilder/informationsmaterialien/

Saisonkalender des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE): https://www.bzfe.de/inhalt/saisonzeiten-bei-obst-und-gemuese-3130.html

Bioeinkaufen in RLP – Biolandwirte und Direktvermarkter unter: www.bioeinkaufen-rlp.de/


Im Trend: Ernährungsweise "From Leaf to Root"

Im Trend: Ernährungsweise „From Leaf to Root“

Vegetarische Chips aus Gemüseschalen oder den äußeren Kohlblättern, eine hausgemachte Brühe aus Gemüseresten – „From Leaf to Root“ beschreibt die Idee, Obst und Gemüse „vom Blatt bis zur Wurzel“, also möglichst komplett, zu essen. Auch aus Schalen, Blättern, Stielen, Wurzeln oder Strünken lassen sich ungeahnt leckere Rezepte zaubern. Die Pflanze als Ganzes zu verwerten, vermeidet Lebensmittelabfälle – so wird auch der Zero-Waste-Gedanke erfüllt. Ein nachhaltiger Ernährungs-Trend.

Bio ist besser

Gerade bei den äußeren Pflanzenteilen ist es wichtig, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gut und gründlich zu reinigen. Oder noch besser: zu Lebensmitteln aus biologischem Anbau oder sogar aus dem eigenen Garten zu greifen. Denn hier wird auf den Einsatz chemisch-synthetischer Spritzmittel verzichtet, sodass diese nicht auf den äußeren Pflanzenteilen anhaften. Frische, biologisch angebaute Früchte, Kräuter und andere Öko-Gewächse eignen sich daher ideal, um auch äußere Teile wie Schalen und Knospen in der Küche verwerten zu können.

Das vegetarische "From Nose to Tail"

„From Leaf to Root“ bezeichnet das vegetarische Pendant zum „From Nose to Tail“-Ansatz, bei dem das geschlachtete Tier möglichst komplett, d.h. von der Schnauze bis zum Schwanz verarbeitet wird. Beide Verwertungskonzepte bieten nicht nur eine Vielzahl neuer kulinarischer Möglichkeiten, sondern vermeiden in der Folge auch eine enorme Verschwendung von Lebensmitteln.

Neue Rezepte, zutaten und Aromen

Bislang verschmähte oder unbeachtete Pflanzenteile wie Wassermelonenschalen, Kürbiskerne und Magnolienblüten werden beim “Leaf to Root”-Konzept ins Rampenlicht gerückt und zu feinem Pesto, knusprigen Gemüse-Chips oder leckeren Suppen verarbeitet.

Das bietet eine Vielzahl neuer Möglichkeiten für den Einsatz in der Küche.

Obst und Gemüse aus ökologischer Landwirtschaft

Insbesondere im durch die Pandemie geprägten Jahr wurden vermutlich so viele Möhren gesät, Kartoffeln gesteckt und Gurken geerntet wie zuvor lange nicht mehr. Der eigene Garten und Balkon erfuhren eine neu gewonnene Aufmerksamkeit. Zoodles, Salate und Smoothies boomen und erfreuen von der Aussaat bis zum Nachtisch Hobbygärtner:innen im ganzen Land.

Wer nicht die Ressourcen oder den nötigen grünen Daumen zum Selbergärtnern hat, kann bedenkenlos zur biologischen Alternative greifen. Frisches Gemüse und Obst aus ökologischem Anbau ist nicht nur besonders gesund und umweltschonend, sondern zeigt auch neue Möglichkeiten der Verwertung auf. Denn Karottengrün, Radieschenblätter und Kohlrabischalen werden bei der Zubereitung wegen der oft hohen Pestizidbelastung im konventionellen Anbau im Bio-Müll entsorgt. Knollen, Wurzeln und Blüten in Bio-Qualität oder aus dem hauseigenen Gemüsebeet dagegen können bedenkenlos „From Leaf to Root“ – vom Blatt bis zur Wurzel – verwertet werden.

Allerdings eignen sich nicht alle Pflanzen für den „Leaf to Root“-Ansatz. Einige Gewächsteile sind ungenießbar oder enthalten für den Menschen giftige Stoffe wie Oxalsäure oder Solanin. Aus diesem Grund sollte sich vor dem Kredenzen in der Küche informiert und an einem Rezept orientiert werden.

Wie wäre es beispielsweise mit einem knackigen Radieschenblattsalat mit karamellisierten Kürbiskernen?

Rezept: Radieschenblatt-Salat mit karamellisierten Kürbiskernen

von Pascal Haag (aus dem Buch Leaf to Root)

 

600 g Radieschen mit Blättern
6 EL Kürbiskerne
6 TL Rohzucker
6 EL getrocknete Cranberrys

Salatsauce
3 EL Kürbiskerne
4 EL Apfelessig
2 TL grobkörniger Senf
Salz

Die Blätter der Radieschen entfernen und beiseitelegen. Die Radieschen je nach Größe vierteln oder sechsteln.

Die Kürbiskerne ohne Zugabe von Fett in einer Bratpfanne kurz anrösten. Mit dem Zucker bestreuen und unter Rühren karamellisieren lassen. Aufpassen, dass der Zucker dabei nicht anbrennt, denn sonst schmeckt es bitter. Die Kerne auf einem Stück Backpapier auskühlen lassen. Mit den Radieschenblättern, den Radieschen und Cranberrys in eine Schale geben.

Für die Salatsauce die Kürbiskerne mit dem Apfelessig und dem Senf mischen und mit Salz abschmecken. Zum Salat geben und alles gut vermischen.

Guten Appetit!

Buchtipp: From Leaf to Root

Gemeinsam mit dem renommierten Fotografen Sylvan Müller und Vegi-Spitzenkoch Pascal Haag erarbeitete Journalistin, Autorin und Gemüse-Scout Ester Kern das im Herbst 2016 erschienene Buch „Leaf to Root: Gemüse essen vom Blatt bis zur Wurzel“. Das mehrfach ausgezeichnete Werk enthält Infos, Rezepte und Portraits zu den essbaren Teilen von 50 Gemüsesorten.

 

Weitere Infos

Weitere Rezepte und Beiträge zum Thema „Leaf-to-Root“ enthält auch der von Esther Kern betriebene Blog.


Farm to Fork - Mehr Öko in der EU

Die Farm-to-Fork-Strategie der EU

Viele EntscheiderInnen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind sich einig: Es ist 5 vor 12 – unsere Lebens- und Wirtschaftsweise trägt dazu bei, dass der Klimawandel mit hoher Geschwindigkeit voranschreitet. Die tiefgreifenden Auswirkungen wie Extremwetterlagen und der Rückgang der Biodiversität rücken immer mehr in das allgemeine Bewusstsein. Der ‚Green Deal’ der EU-Kommission, eine Art Leitfaden zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft in der EU, umfasst unter anderem eine Biodiversitätsstrategie und die Strategie ‚Vom Hof auf den Teller’, international verständlich: ‚Farm-to-Fork-Strategy’. Dieser Beschluss ist wichtig und schafft Perspektiven für eine ökologischere Entwicklung der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft.

Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)

Bei der Realisierung dieser Strategien spielen die nationalen Vorhaben der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) eine entscheidende Rolle. In Deutschland zum Beispiel stehen zwischen 2014-2020 jährlich rund 6,2 Milliarden Euro an EU-Mitteln zur Verfügung. Mit diesen Fördermitteln werden Landwirtschaftsbetriebe und ländliche Regionen gefördert (Quelle: www.bmel.de) Wer die Voraussetzungen für die Förderungen erfüllt, trägt gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung bei.

Die GAP soll sich auf Basis der neuen Strategien Farm-to-Fork und Biodiversität entwickeln, um die gemeinsamen Ziele bis 2030 zu erreichen. Um zukünftig noch mehr LandwirtInnnen die Umstellung zum Bio-Betrieb zu ermöglichen, wird empfohlen, die nationalen Fördermittel der GAP aufzustocken.

(Foto von Demeterhof Breit, Wittlich)

Weiterführende Informationen stellt Bioland e.V. unter nachfolgenden Links zur Verfügung.

Farm-to-Fork – die neue Strategie für mehr Öko in der EU
Worum es geht und warum das jeden was angeht

www.demeter.de

www.bioland.de

 

Farm-to-Fork schickt Europa auf den Bio-Weg
Strategie muss Grundlage der EU-weiten Agrarpolitik werden
www.bioland.de

Warum uns die EU-Politik alle was angeht
Bioland-Präsident Jan Plagge erklärt die GAP


Ökologischer Weinbau

Ökologischer Weinbau – Kulturland im Kreislauf der Natur bewirtschaften

Weinberge zählen zu den Kulturlandschaften, die von Menschenhand geschaffen wurden. Diese Ökosysteme sind je nach Region schon seit Jahrhunderten vorhanden und verdanken ihr Aussehen und ihre Beschaffenheit den WinzerInnen, die die anspruchsvolle Arbeit im Weinberg ausführen.

Anspruchsvoll und sensibel sind auch die Rebstöcke mit ihren wertvollen Früchten. Ob die Reben und Trauben gesund sind und ob die Weinlese am Ende der Reifezeit zufriedenstellend ist, hängt maßgeblich von der Bodenqualität und vom Wetter ab – diese Parameter haben einen direkten Einfluss auf die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen und das Risiko von Schädlingsbefall und Krankheiten.

Was machen Bio-WinzerInnen anders?

Während im konventionellen Weinbau chemisch-synthetische Substanzen zur Schadensbegrenzung (Pilzbefall, Unkraut, Schädlinge) eingesetzt werden dürfen, was meist akut beim Auftreten solcher Schäden geschieht und zuverlässiger vor Ertragseinbußen schützen kann, setzen Bio-Winzer auf Prävention. Die Arbeit im Einklang mit der Natur und die dafür typischen Tätigkeiten rund um den Weinberg sind aufwändiger und meistens mit mehr Handarbeit verbunden.

Prävention im Weinberg

Damit das Ökosystem Weinberg gesund, intakt, gegenüber Klima- und Umwelteinflüssen resistent und gegen Schädlinge geschützt ist, treffen Bio-WinzerInnen natürliche, vorbeugende Maßnahmen in vielen verschiedenen Arbeitsschritten. Dazu zählen zum Beispiel individuelle Laubpflege, Pflanzenschutz, Düngung, die geeignete Sortenwahl und das Begrünungsmanagement für den Boden.

Lebendiger Boden

Der Boden stellt die Wachstumsgrundlage aller Lebensmittel dar. Über die Qualität des Bodens entscheiden die Gesteinsart, der Zustand der Verwitterung und das Bodenleben. Je lebendiger die Erde ist (Vielfalt von Lebewesen im Boden, z. B. Asseln, Würmer, Pilze, Flechten, Bakterien und Mikroorganismen), desto mehr Nährstoffe, Kohlenstoffdioxid und Wasser können gespeichert werden, um die Reben in jeder Reifephase optimal zu versorgen. Dabei unterstützen Begrünungsmischungen aus vielfältigen Pflanzenarten wie Kräutern, Gräsern, Leguminosen, die im ökologischen Weinbau sinnvoll und bedacht eingesetzt werden.

Veganer Wein

In seiner Rohform ist Wein ein rein pflanzliches Produkt. Bei der Verarbeitung der Trauben von der Lese bis zur Abfüllung findet als Zwischenschritt die sogenannte ‚Klärung’ oder ‚Schönung’ statt, das ist die Befreiung von Trübstoffen und die Stabilisation. Im Klärungsprozess können tierische Produkte (z. B. Eiklar, Gelatine, Proteine) eingesetzt werden. Da immer mehr VerbraucherInnen ohne tierische Produkte leben möchten, steigt die Nachfrage und immer mehr WinzerInnen produzieren vegane Weine. Weine mit dem V-Label stammen aus Erzeugung frei von Tierprodukten.

Tiefere Einblicke zum Thema ökologischer Weinbau

Ökolandbau – Weinbau
https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/spezieller-pflanzenbau/weinbau/

Ökologischer Weinanbau-Verband ECOVIN
https://www.ecovin.de/filme/

Plan B – Obst ohne Gift – Wenn die Natur die Chemie ersetzt
Über LandwirtInnen, die es anders machen
https://www.zdf.de/gesellschaft/plan-b/plan-b-obst-ohne-gift-102.html

Bienen und Weinanbau
https://probiene.de/spart-der-winzer-gift-freut-sich-die-biene/


Bio aus RLP im Rundfunk

Bio-Betriebe aus Rheinland-Pfalz im Rundfunk

Einige Bio-Betriebe aus Rheinland-Pfalz wurden vom Südwestrundfunk (SWR) begleitet. Die Fernsehreportagen bieten interessante Einblicke hinter die Kulissen der Betriebe und in die ökologische Landwirtschaft.  Sie erzählen dabei auf sympathische Art und Weise auch die persönlichen Geschichten der Menschen und Familien, die hinter dem Betrieb stehen, mit all den Herausforderungen des täglichen Lebens und Arbeitens.

Alles Käse - die Milch macht's!

Der Bornwiesenhof im Hunsrück, Wilzenberg-Hußweiler (55767), wird seit 1989 biologisch-dynamisch nach den strengen Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Die Milch der Kühe mit Hörnern wird zum größten Teil in der hofeigenen Käserei zu feinsten Milch- und Käseprodukten verarbeitet. Der SWR begleitete Familie Jaschok, die Menschen auf dem Hof und die Tiere – entstanden ist ein beeindruckendes Hofportrait. Auf dem Bornwiesenhof fanden im Rahmen der Öko-Aktionstage 2020 folgende Veranstaltungen statt: JoghurtWerkstatt / Küchenkäse aus aller Welt

Fünf Kinder und 150 Kühe

Auf dem Bioland-Betrieb Albertshof bei Rennerod (56477) ist immer etwas los – 150 Kühe, 140 Hektar Grünland, ein großer Hofladen und fünf Kinder sorgen dafür, dass es Kiki und Peter Doppstadt nie langweilig wird.

Mit Handicap zum Erfolg

Der Kleinsägmühlerhof in Altleiningen (67317) im Norden des Pfälzer Waldes mit Landwirtschaft, Bäckerei, Hauswirtschaft und Hofladen wird von einer Gemeinschaft geistig behinderter Menschen und deren BetreuerInnen biologisch-dynamisch nach den Richtlinien des Demeter-Verbands bewirtschaftet.

Mit Schwein in ein neues Leben

Der Bioland-Hof ‚Schweinothek’ der Familie Bornheimer-Schwalbach in Gau-Bickelheim (55999) ist das Zuhause der bunten Bentheimer Schweine. Im Hofladen sind die Erzeugnisse der Schweine erhältlich, außerdem hauseigene Weine und der beliebte Mittagstisch.

Hofübergabe mit Hindernissen

Auf dem Biolandhof Morgentau in Kleinniedesheim (67259) in der Vorderpfalz wird seit 1990 ökologische Landwirtschaft nach den organisch-biologischen Richtlinien des Bioland-Verbands betrieben. Im Jahr 2018 begleitetete der SWR die Übergabe des Familienbetriebs Zirker an die langjährigen Mitarbeiter Benjamin Gräf und Karlfried Eich.

Die Grenzgänger vom Ulmenhof

Der Ulmenhof in Sarmersbach (54552) in der Vulkaneifel wird von den Familien Frangen und Kneißl nach den organisch-biologischen Richtlinien des Bioland-Verbands bewirtschaftet. Drei Generationen sorgen täglich dafür, dass der Betrieb mit 90 Ziegen, 30 Milchkühen, eigener Käseproduktion und Hofladen rund läuft.

So findet man das Glück am Ende der Welt

Zwei Stadtmenschen suchen ihr Glück auf dem Land – Nina und Sebastian Kill kamen vor über 10 Jahren als studierte LandwirtInnen aus dem Ruhrgebiet in die Pfalz und erfüllten sich den Traum vom eigenen Bauernhof. Auf dem Bärenbrunnerhof in Schindhard (66996) sind Milchkühe, Schweine und Hühner zuhause. Im Hofladen werden hofeigene Erzeugnisse, darunter auch Vollkorn-Holzofenbrot, verkauft. Außerdem gibt es Produkte von Partnern und ein kleines Naturkostsortiment.

Wenn das Glück vier Beine hat - Die Leute vom Schauferts-Hof

Die Familien von Oliver Lucius und Uli Scheib kauften mit drei weiteren Freunden vor über 30 Jahren den Hof Schauferts in Schönborn (56370) und entwickelten den Betrieb nach organisch-biologischen Richtlinien mit Milchviehhaltung, Rindermast, Schweinezucht und Gastwirtschaft, seit 2004 auch eine Brauerei.
Der SWR begleitete die Hofgemeinschaft bereits mehrmals – zuletzt während des ‚Corona-Lockdowns’.
Teil 3 ‘Ansgars Entscheidung’, Mein Bauernhof in der (Corona-)Krise


Gemeinsame Agrarpolitik

Umweltministerin Ulrike Höfkens fordert eine ökologischere Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)

Umweltministerin Ulrike Höfken setzt sich für eine stärkere Kopplung öffentlicher Gelder aus dem EU-Agrarhaushalt an Umwelt- und Klimastandards ein. Sie forderte auf der Sonder-Agrar- und Umweltministerkonferenz Ende Mai 2020 eine ökologischere Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU sowie einen Flächenanteil von 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 in der EU.

Existenzsicherung für Landwirtinnen und Landwirte

„Landwirtinnen und Landwirte sollen auf dem Weg zu einer klimaangepassten und nachhaltigen Landwirtschaft unterstützt werden und damit letztendlich ihre Existenz sichern können“, sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken. Auf der im Mai stattgefundenen Sonder-Agrar- und Umweltministerkonferenz, an der auch die für die GAP zuständigen EU-Kommissaren teilgenommen haben, fordert sie daher eine konsequent ökologische Ausrichtung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik. Dies sieht auch die neue „vom-Acker-auf-dem-Teller-Strategie (farm to fork)“ der EU-Kommission vor. „Der Handlungsbedarf für Wasser- und Tierschutz ist hoch, die Kosten der Klima- und Biodiversitätskrise sind bereits jetzt immens und werden steigen. Deshalb sollen Landwirtinnen und Landwirte für diese gesellschaftlichen Leistungen entlohnt werden, wenn sie Wasser, Boden, Klima und die Artenvielfalt schützen und sich für das Wohl von Tieren einsetzen“, so Höfken.

Der Agrarbereich im EU-Haushalt nimmt mit 60 Milliarden Euro rund ein Drittel des EU-Haushaltes ein und besteht bisher aus zwei Säulen. Aus der ersten Säule werden Flächenprämien ausbezahlt, aus der zweiten Säule vor allem Gelder für nachhaltiges und umweltschonendes Wirtschaften. Dabei macht die zweite Säule lediglich 20 Prozent des Gesamtbudgets aus und droht weiter zu sinken.

Der rheinland-pfälzischen Umweltministerin ist es wichtig, dass Landwirtinnen und Landwirte öffentliche Gelder für gesellschaftliche Leistungen erhalten. „Wir alle brauchen sauberes Wasser und gesunde Böden als Grundlage für unsere Ernährung. Deshalb sollen öffentliche Gelder an Landwirtinnen und Landwirte stärker an Umweltauflagen geknüpft sein. Dazu brauchen wir einen ambitionierten Rahmen auf EU-Ebene sowie eine konsequente Umsetzung in Deutschland. Es gilt jetzt die entscheidenden Weichen zu stellen und einheitliche Mindeststandards auf EU-Ebene beizubehalten und zu stärken statt zu renationalisieren, damit es keinen Dumping-Wettbewerb um Umweltauflagen gibt“, so Höfken. Daher fordert sie eine bessere finanzielle Ausstattung der Programme der zweiten Säule, um den Ökolandbau sowie eine nachhaltige Landwirtschaft voranzubringen. Die Europäische Kommission hat am 20. Mai als Teil des Green Deal ihre sogenannte Farm-to-Fork-Strategie für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem vorgestellt, das bis 2030 einen Flächenanteil von 25 Prozent für den Ökolandbau fordert. Höfken findet: „Noch besser wären 30 Prozent.“

Denn der Ökolandbau hat sich zum einen als resistenter gegen Dürre und Starkregen bewährt und schont das Klima, den Boden und das Wasser. Zum anderen trägt er zum Erhalt der Artenvielfalt und des Klimaschutzes bei. Das hat das Thünen-Institut in der Meta-Studie „Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft“ ermittelt und beschreibt den ökologischen Landbau als nachhaltigste und umweltschonendste Landbewirtschaftungsmethode. So werden beispielsweise durch den Verzicht auf stickstoffhaltige Mineraldünger im Mittel 24 Prozent weniger Lachgase als im konventionellen Landbau emittiert.

Quelle: Land Rheinland-Pfalz – Pressemeldung 27.05.2020 – Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität
Bild: KÖL – Frisch geerntete Kartoffeln

Was bedeutet Ökolandbau?

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Biodiversität

Was ist Biodiversität?

Der Begriff Biodiversität fällt im Zusammenhang mit den Themen Ökolandbau, Nachhaltigkeit und Klimaschutz häufig. Doch was bedeutet Biodiversität? Hinter dem Fachbegriff ‚Biodiversität’ verbirgt sich einfacher gesagt ‚biologische Vielfalt’. In der Wissenschaft unterscheidet man drei Bereiche der biologischen Vielfalt. Diese sind:

Artenvielfalt oder Vielfalt der Arten

Unter ‚Artenvielfalt’ versteht man die Gesamtheit sämtlicher lebender Lebewesen. Das sind sowohl Pflanzen und Tiere als auch Mikroorganismen wie Pilze und für das menschliche Auge unsichtbare Mikroorganismen wie Bakterien und Viren. Die Artenvielfalt kann global sowie für ein bestimmtes Gebiet oder Ökosystem (z. B. Wald, See, Meer, Graslandschaft) definiert werden. In einem Wald leben unsichtbare Bodenbewohner, Pilze, Pflanzen, Insekten und Tiere im Kreislauf miteinander.

Genetische Vielfalt

Dank der genetischen Vielfalt entstehen innerhalb einer Art Lebewesen mit unterschiedlichen körperlichen Eigenschaften, angepasst an deren Lebensraum, Umwelteinflüsse oder Krankheitserreger. Daher ist die genetische Vielfalt für den Artbestand überlebenswichtig.

Vielfalt der Ökosysteme

Die Ökosysteme (oder einfacher gesagt: Lebensgemeinschaften) werden als Lebensregionen anhand ihrer geografischen Lage und ihrer Eigenschaften definiert. Beispiele für Ökosysteme: Wälder, Meere, Graslandschaften, Seen, Flüsse oder Wüsten. Durch den Menschen geprägte Ökosysteme (auch Kulturlandschaften genannt) sind Städte, Äcker und Brachen. Auch die Erde selbst mit all ihren Gesteinsschichten bildet ein Ökosystem.

Innerhalb eines Ökosystems leben verschiedene Lebewesen miteinander in einem aufeinander abgestimmten Rhythmus.

Warum ist Biodiversität lebenswichtig?

Das Zusammenspiel aller Ökosysteme auf der Erde sorgt für ein dynamisches Gleichgewicht untereinander und den Lebewesen, die sie bewohnen. Dazu zählen auch wir Menschen.

Je höher die Biodiversität der Ökosysteme, der Arten und Gene ist, desto resistenter ist die Gesamtheit der Lebewesen gegen äußere Einflüsse wie den Klimawandel oder Krankheitserreger, da sich die Arten dank des Genpools an äußere Veränderungen anpassen können.

Pflanzen und Tiere dienen dem Menschen als Nahrungsgrundlage. Blühende, abwechslungsreiche Landschaften machen Gebiete lebenswert. Kurzgesagt: Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage.

Die biologische Vielfalt ist in Gefahr. Die Lebensweise des modernen Menschen sorgt durch die Mechanismen der industrialisierten Welt dafür, dass viele Lebensräume zerstört und übernutzt werden (z. B. Ackerboden, Meere und Regenwälder). Bestimmte Ressourcen und Nutztiere werden einseitig auf Höchstleistung und maximalen Ertrag gezüchtet. Bei Nutzpflanzen wie Mais, Weizen und Reis neigt die konventionelle Landwirtschaftsindustrie durch Saatgutoptimierung dazu, eine Vereinheitlichung der Arten zu verursachen und vielerorts werden Ökosysteme wie Wälder, die lebensnotwendigen Sauerstoff produzieren, abgeholzt, um Anbauflächen und Weideflächen für extensive Futter- und Fleischproduktion zu gewinnen. In vielen Ländern werden durch Produktionsstätten Gewässer mit industriell erzeugten Schadstoffen und Abfällen verschmutzt.

Diese und viele weitere Eingriffe in Ökosysteme und dadurch in die biologische Vielfalt von Arten und Genen führt zum Aussterben vieler Arten und damit zu einem rasanten Rückgang unserer Lebensgrundlage, der Biodiversität.

Was wir als VerbraucherInnen für mehr Biodiversität tun können, wie Landwirte die Natur schützen und was der Bioland-Verband mit seiner neuen Biodiversitätsrichtlinie erreichen möchte, lesen Sie hier:

https://www.bioland.de/artenvielfalt
https://www.bioland.de/bioland-blog/arten-rette-sie-wer-kann
https://www.bioland.de/bioland-blog/interview-auch-im-oekolandbau-ist-nicht-alles-dunkelgruen

Was haben Insekten mit Biodiversität zu tun?

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„Insektensterben“

„Insektensterben“ – warum es immer weniger Insekten gibt und was wir dagegen tun können

Insekten sind unverzichtbar für Ökosysteme. Es gibt etwa eine Million verschiedene Insektenarten. Diese faszinierenden Lebewesen passen sich optimal an Ihren Lebensraum an und bilden das Fundament eines intakten Ökosystems und Teil des natürlichen Gleichgewichts.

Insekten leisten unverzichtbare, äußerst wertvolle Arbeit bei der Bestäubung, denn 80% aller Nutzpflanzen, von denen auch wir Menschen uns ernähren, werden von ihnen bestäubt. Zudem stellen sie die natürlichste Form der Schädlingsbekämpfung dar, da manche von ihnen sich auch von Lebewesen wie Blattläusen ernähren. Insekten gelten als wichtigste Nahrungsquelle für Tiere wie u. a. Vögel und Fische und darüber hinaus sind sie unentbehrlich für die Zersetzung und Wiederaufbereitung von natürlichen Überresten zu fruchtbarem und nährstoffreichem Humusboden (abgestorbene Pflanzen, Exkremente, Kadaver, aus dem wieder neue Pflanzen entstehen). Damit sind Insekten unverzichtbar für das Leben.

Der Rückgang der Insekten

Insekten auf der Windschutzscheibe – jeder kennt diesen schaurigen Anblick. Heute hält sich die Menge der Windschutzscheiben zum Opfer gefallenen Insekten im Gegensatz zu den 1970er Jahren in Grenzen, berichten Menschen immer wieder.

WissenschaftlerInnen sind diesen und ähnlichen Beobachtungen schon seit Jahrzehnten auf der Spur, so zum Beispiel der ‚Entomologischer Verein Krefeld e.V.’, ein Verein für Insektenkunde. Anhand einer Langzeitstudie haben die ForscherInnen herausgefunden, dass die Insektenvielfalt seit dem Jahr 1989 bis heute um 76% zurückgegangen ist. Dr. Robert Trusch, Diplom-Biologe am Naturkundemuseums Karlsruhe stellt anhand der umfassenden Schmetterlingssammlung des Museums einen Rückgang der Schmetterlingsarten ab den 1950er Jahren fest.

Ursachen für das Insektensterben

Die menschenverursachte, intensive Landnutzung, also die Flächennutzung für Städte, Industrie und Straßenbau, Monokulturen auf den Feldern, der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden und die mechanische Bearbeitung der Böden mit großen, schweren Maschinen in der industriellen Landwirtschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten bis heute sind mitverantwortlich für das rasante Insektensterben.

Eingriffe in natürliche Lebensräume

Wenn die natürlichen Lebensräume und die Blühvielfalt durch kontinuierlich fortschreitende, menschliche Eingriffe in die natürlichen Lebensräume immer weniger werden, finden manche Insekten-Arten keine Nahrung mehr, u.a. weil sie sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert haben. Obendrein fehlen die Insekten als BestäuberInnen, SchädlingsbekämpferInnen (‚Nützlinge’), Nahrungsquelle und natürliche Kompostieranlage.

Was können wir Menschen gegen das Insektensterben tun?

Insektenschutz beginnt im eigenen, insektenfreundlichen Garten. Mit einem Wildbienen-/Insektenhotel, lose gestapelten Steinen als Mauer oder Kräuterspirale bieten wir ihnen einen sicheren Unterschlupf.
Die passende Blühmischung auf der Wiese und aromatische Kräuter wie Thymian und Salbei laden Schmetterling, Biene und Co. zum Schlemmen ein. No-Go’s sind Pestizide im Hausgarten, Kiesgärten und überwiegend Pflanzen, die für Insekten keinen Nutzen haben (z. B. Geranien).
Indem wir bewusste Kaufentscheidungen treffen und Produkte wählen, die ohne den Einsatz von Pestiziden hergestellt wurden, können wir Bio-ErzeugerInnen unterstützen, die mit ihrer ökologischen Landwirtschaft die Insektenvielfalt direkt begünstigen, indem sie Blühstreifen auf ihren Feldern zulassen, auf den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden verzichten und ihre Böden mit einer vielfältigen Fruchtfolge bestellen, die einen gesunden Boden für alle und gesunde Lebensmittel hervorbringen.

Weiterführende Links und Interviews mit ExpertInnen aus Theorie und Praxis aus der Kategorie Artenvielfalt und Insekten:

Insektensterben stoppen – Damit es wieder summt und brummt
https://www.demeter.de/journal/42/insektensterben-stoppen

Interview mit einem Wildbienenexperten
https://www.bioland.de/bioland-blog/wildbienen

Eine Badewanne für Bienen – Besuch auf dem Bioland-Hof Meitzler
https://www.bioland.de/bioland-blog/eine-badewanne-fuer-bienen

Unordnung für die Vielfalt – warum Herr Mautschke so ungern aufräumt
https://www.bioland.de/bioland-blog/unordnung-muss-sein

Meta-Studie: System Ökolandbau ist klarer Punktsieger bei Umwelt- und Ressourcenschutz

Was haben Insekten mit Biodiversität zu tun?

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Videos zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=VQhRDUtzMDo
Insektensterben und die Folgen für die Natur | SWR | Landesschau Rheinland-Pfalz

Insektensterben: Was wir tun können (Ganze Folge) | Quarks
https://www.youtube.com/watch?v=sWAqMBI73fE

Ausschnitt aus ‚Was wir tun können’:

Wie ökologische Landwirtschaft die Insekten retten könnte | Quarks
https://www.youtube.com/watch?v=Ld6Eh0piU58

Wie Bauer und Wildbiene sich gegenseitig helfen | Quarks – Bio-Bauer Bert Krämer
https://www.youtube.com/watch?v=3dqPioCDmeE

Insekten: Was man im heimischen Garten tun kann | [W] wie Wissen
https://www.youtube.com/watch?v=r9SEpPdNzcU

Käfer, Biene Schmetterling – Natur faszinierend und bedroht | Geschichte & Entdeckungen – SWR Dokumentation
https://www.youtube.com/watch?v=-KmQdd5-e0c

Bienensterben in 3 Minuten erklärt
https://www.youtube.com/watch?v=R1PAb2My-Qs


Zweinutzungshuhn

Alternativen zur Massentierhaltung

In der ursprünglichen Landwirtschaft wurden Hühner und Hennen gemeinsam gehalten. Die sogenannten ‚alten’ Hühnerrassen waren sowohl zuverlässige Legehennen als auch Lieferanten für Hühnerfleisch. Mit der steigenden Nachfrage nach günstigen Lebensmitteln stieg auch die Nachfrage nach billigen Eiern und Fleisch.

Um der großen Nachfrage ab den 1950er Jahren nachkommen zu können, wurden Hühner für die Lebensmittelindustrie gezielt nach deren Eigenschaften gezüchtet. Man nennt sie heute ‚Hybridhühner’ – das sind Legehennen und Masthühner, die jeweils auf deren maximalen Nutzen herangezüchtet sind, also entweder möglichst viele Eier zu legen oder in kürzester Zeit so viel Masse wie möglich zuzulegen.

Moderne Geflügelindustrie - ein Gewissenskonflikt

Für LandwirtInnen ist die Haltung von Hybridhühnern aus Gebrauchskreuzungen ertragreich und damit wirtschaftlich. In Sachen Nachhaltigkeit und Ethik steht die Geflügelindustrie allerdings unter Druck. Zum Beispiel können solche Zuchtrassen ihre Merkmale nicht auf natürliche Weise vererben. Durch Aufspaltung gehen die Erbmerkmale automatisch verloren. Die nächste Generation kann nur durch neue Züchtung entstehen. Von den Tieren, die das Licht der Welt in einem Brutschrank erblicken, sind 50% männlich. Die männlichen Küken werden keine Eier legen und aufgrund ihrer genetischen Veranlagung nicht genügend Fleisch ansetzen. Das macht sie im industriellen Sinne wirtschaftlich unbrauchbar und hat zur Folge, dass jährlich 45 Millionen männliche Küken durch Gas oder Schreddern getötet werden – leider auch in vielen EU-Bio-Betrieben, die Hybridhühner entsprechend den gesetzlichen Mindestanforderungen „ökologisch“ halten.

Der Preis der Hochleistungshühner

Die Hybridhühner benötigen proteinreiche Futtermittel, die nach der BSE-Krise in den 1990er Jahren keine tierischen Bestandteile mehr enthalten dürfen und überwiegend durch Sojabohnen ersetzt wurden. Die Sojabohnen werden meist günstig in Südamerika eingekauft, wo den Anbauflächen oft riesige Flächen an Regenwäldern durch Rodung zum Opfer fallen. Beim Anbau von Erzeugnissen für den Export arbeiten die Landwirtschaftsunternehmen oftmals mit chemisch-synthetischen Unkrautvernichtern wie z.B. Glyphosat, wodurch Böden und Ökosystemen Schaden zugefügt wird.

Ein Hühnerleben ist kurz

Die Lebenserwartung der Hybride bei Legehennen ist auf etwa ein Jahr beschränkt, eine zweite Legeperiode ist zwar möglich, aufgrund der abnehmenden Legeleistung aber unüblich. Masthühner im konventionellen Bereich werden nach etwa vierzig Tagen geschlachtet, in der ökologischen Hähnchenmast erst nach der doppelten Zeit, was höhere Fütterungskosten zur Folge hat und sich auf den Preis für Bio-Hähnchen auswirkt.

Immer mehr VerbraucherInnen wünschen sich Produkte, die unter ethischen und ökologischen Kriterien hergestellt sind. In der Geflügelindustrie können diese bisher in vielen Fällen nicht erfüllt werden.

Zweinutzungshuhn und Bruderhahn-Aufzucht

Was ist ein Zweinutzungshuhn?
In der ökologischen Landwirtschaft gibt es bereits erfolgreiche LandwirtInnen und UnternehmerInnen, die sich für die Zucht sogenannter ‚Zweinutzungshühner’ einsetzen. Wie der Name schon ahnen lässt, sind diese Hühnerrassen sowohl Legehennen als auch Masthühner. Sie sind zwar nicht so hochleistungsfähig wie die oben genannten Hybridhühner, bringen also etwas weniger Ertrag (geringere Legeleistung, weniger Fleischansatz) und benötigen mehr Zeit in der Aufzucht, dafür können sie sich eigenständig reproduzieren und die LandwirtInnen haben die Möglichkeit, langfristig unabhängig von den großen Zuchtkonzernen zu arbeiten.

In Sachen Biodiversität punkten die Zweinutzungshühner aufgrund ihrer Robustheit, denn sie passen sich ihrem Lebensraum an und sind weniger anfällig für Krankheiten, da sie Futter auf natürliche Weise zu sich nehmen (sie finden beim Scharren und Picken auf der Wiese zum Beispiel Würmer und Insekten als Eiweißquelle) und mit Futtermischungen aus regionaler, ökologischer Erzeugung gefüttert werden. Damit stehen Zweinutzungsrassen für den Erhalt von vom Aussterben bedrohten, einheimischen Legerassen.

Was bedeutet Bruderhahn-Aufzucht?
Ein bedeutendes Statement im Bereich der Hühneraufzucht ist die Mast der sogenannten ‚Bruderhähne’.  Anstatt die männlichen Küken zu töten, weil sie keine Eier legen und weniger Fleisch ansetzen, als Masthühner, werden sie in den Betrieben zusammen mit ihren weiblichen Geschwistern aufgezogen. Über Subventionen (z. B. Zuzahlung auf die Eier der Legehennen) haben LandwirtInnen begonnen, die Aufzucht der Bruderhähne zu finanzieren und können deren Fleisch später handelsüblich vermarkten.

In diesem Sinne setzen LandwirtInnen mit Unterstützung von VerbraucherInnen ein klares Zeichen gegen das Töten von männlichen Küken und zeigen eine Chance auf, die Geflügelindustrie zukünftig nachhaltiger sowie ethisch und moralisch vertretbarer zu entwickeln. Wirtschaftlich gesehen hat die Bruderhahn-Aufzucht den Nachteil, dass die Brüder einen extrem hohen Futterbedarf haben, was deren Aufzucht in Relation zum Fleischertrag sehr kosten- und rohstoffintensiv macht. Hintergründe zu Bruderhahn-Projekten hier.

Weiterführende Artikel rund um das Thema Geflügel und Zweinutzungshuhn:

Mehr zum Thema

https://www.demeter.de/lebensmittel-produkte/eier

Der Unterschied im Eierkarton – Wie kann das Kükentöten gestoppt werden?
https://www.bioland.de/bioland-blog/kuekentoeten-stoppen-der-unterschied-im-eierkarton

Zweinutzungshuhn bei Naturland
https://www.naturland.de/de/erzeuger/betriebszweige/gefl%C3%BCgelhaltung/zweinutzungshuhn.html

Herkunft eines Eis erfahren
https://www.was-steht-auf-dem-ei.de/index.php

Ökologische Tierzucht GmbH
https://www.das-oekohuhn.de/

Artikel aus TopAgrar – Bioland und Demeter erteilen Geschlechtsbestimmung im Ei eine Absage
https://www.topagrar.com/oekolandbau/news/bioland-und-demeter-erteilen-geschlechtsbestimmung-im-ei-eine-absage-12030263.html

 

Videos zum Thema Hahn und Henne:

Das Zweinutzungshuhn von “Ei Care
https://www.youtube.com/watch?v=3KUTNDCKh_Y&list=TLPQMzAwNjIwMjBJqMwH75-gJw&index=5

Statt Küken töten: Eier und Fleisch vom Zweinutzungshuhn | Unser Land | BR
https://www.youtube.com/watch?v=K-0qMiSxReY&list=TLPQMzAwNjIwMjBJqMwH75-gJw&index=2

Zweinutzungshuhn: Viele Eier und trotzdem Fleisch | Unser Land | BR Fernsehen
https://www.youtube.com/watch?v=YSA3Fm0lo7k&list=TLPQMzAwNjIwMjBJqMwH75-gJw&index=1

Zurück zum Ursprung – Huhn und Hahn mit Zukunft (Das Zweinutzungshuhn) (Die Biohennen AG)
https://www.youtube.com/watch?v=n_dLlYMBfsM&list=TLPQMzAwNjIwMjBJqMwH75-gJw&index=4

Zweinutzungshuhn vs. Hybridhuhn (3-Sat-Beitrag)
https://www.youtube.com/watch?v=mOfk2wn74Fs&list=TLPQMzAwNjIwMjBJqMwH75-gJw&index=3

Armes Huhn: Vom Frühstücksei zur Wirtschaftsflucht | Doku | ARTE
https://www.youtube.com/watch?v=DnJ9FWJN3-0